Zweitägiger Theaterworkshop am Gymnasium Jessen: Bühne frei für Kreativität und Teamgeist Für einen Sonnabend ungewöhnliche Betriebsamkeit herrschte am 18.04.2026 im Gymnasium Jessen. Konnte das mit rechten Dingen zugehen? Was war der Grund? Fanden Bauarbeiten statt? War eine Havarie eingetreten oder war mit noch schlimmeren Ursachen zu rechnen? War vielleicht sogar – wie in uralten Gemäuern vermutet und auch in der Literatur verewigt – ein (Schul-) Gespenst unterwegs, das man manchmal auch im Gymnasium Jessen heulen zu hören glaubt? Zum Glück traf nichts davon zu, sondern es waren, ganz legal und lange angemeldet, die Schüler:innen der Theater-AG, die Schulleiterin Frau Dr. Simon, als Gast und Spielleiterin die Schauspielerin und Theaterpädagogin Frau Schinköth-Haase und die Lehrerinnen Frau Wagner und Frau Pahlow, die am Samstag bis zum frühen Nachmittag „workshopten“. Bereits am Freitag wollten und durften die Schüler:innen ab dem zweiten Block, wenn sie nicht noch in einer anderen Unterrichtsstunde an einer Leistungserhebung teilnahmen, unter der Leitung von Frau Schinköth Haase und mit Betreuung durch Frau Wagner auf mannigfache Art ihre schauspielerischen Fähigkeiten trainieren.

An zwei intensiven und zugleich inspirierenden Tagen verwandelten sich der Kunstraum, die Bühne, das Amphitheater, das Forum, der Schulhof und die Flure des Gymnasiums in eine lebendige Theaterwerkstatt. Mit fundiertem Fachwissen, Humor und einem sicheren Gespür für die Gruppe führte die Workshopleiterin die Teilnehmenden durch ein abwechslungsreiches Programm voller praktischer Übungen – und machte dabei Mut, Neues auszuprobieren, Grenzen zu verschieben und gemeinsam über sich hinauszuwachsen. 

Ankommen, aufwärmen, losspielen. Zu Beginn stand das „Ankommen“ im Mittelpunkt: Mit spielerischen Warm-ups wurden Körper und Stimme aktiviert, die Konzentration geschärft und die Gruppe aufeinander eingestimmt. Schon nach kurzer Zeit war spürbar, wie sich die Atmosphäre veränderte: Aus einzelnen Schülerinnen und Schülern wurde ein Ensemble, das aufmerksam miteinander arbeitete, sich gegenseitig unterstützte und gemeinsam ins Spiel fand. Im Verlauf des Workshops lernten die Teilnehmenden viele unterschiedliche Theatermethoden kennen. Dazu gehörten unter anderem: Körper- und Bewegungsübungen, um Präsenz, Haltung und Ausdruck zu stärken, Stimm- und Sprechtraining, bei dem Lautstärke, Artikulation und Betonung erprobt wurden, Improvisationsspiele, die Spontaneität, Fantasie und Reaktionsfähigkeit förderten, Partner- und Gruppenübungen, bei denen Vertrauen, Timing und Zusammenarbeit im Mittelpunkt standen, am Ende auch Status- und Rollenarbeit, um Figuren glaubwürdig zu gestalten und Beziehungen auf der Bühne sichtbar zu machen. 

Besonders beeindruckend war, wie schnell die Schülerinnen und Schüler neue Impulse aufnahmen und mutig umsetzten. Einige Übungen führten direkt zu kleinen Szenen, in denen ausprobiert, verworfen, neu gedacht und weiterentwickelt wurde – ganz so, wie Theaterarbeit funktioniert. Am zweiten Tag ging es stärker in Richtung szenisches Arbeiten mit Standbildern aus Märchen: Aus kurzen Improvisationen entstanden kleine Spielsituationen, die nach und nach verdichtet wurden. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Details sind: Wohin richtet sich mein Blick? Was erzählt meine Körperhaltung? Und wie entsteht Spannung, ohne Worte zu nutzen? Die Theaterpädagogin gab dabei immer wieder konkrete, ermutigende Rückmeldungen und zeigte, wie man mit einfachen Mitteln große Wirkung erzielen kann. So konnten die Schülerinnen und Schüler nicht nur spielen, sondern auch verstehen, warum eine Szene funktioniert – und wie man sie gezielt verbessern kann. 

Ein Gewinn für die Theater-AG – und darüber hinaus! Der Workshop war für alle Beteiligten eine wertvolle Erfahrung: Neben spielerischer Kreativität standen besonders auch wichtige Kompetenzen wie Selbstvertrauen, Ausdrucksfähigkeit, Konzentration und Teamarbeit im Fokus. Die Teilnehmenden äußerten am Samstagnachmittag, dass sie sich nach den zwei Tagen sicherer fühlten – auf der Bühne und in der Gruppe. 

Wir bedanken uns recht herzlich bei der LanZe e.V. (dem Landeszentrum für Theater), das diese Workshoptage ermöglichte und zum Großteil – bis auf einen kleineren Eigenanteil unsererseits – finanzierte, natürlich der Theaterpädagogin und Schauspielerin Frau Schinköth-Haase für die professionelle Anleitung, die motivierende Atmosphäre und die vielen inspirierenden Impulse. Ebenso danken wir den Schüler:innen der Theater-AG für ihre Offenheit, ihren Einsatz und die spürbare Freude am gemeinsamen Spiel. Ein ganz besonderer Dank gilt der Schulleiterin für die Möglichkeit, das Schulgebäude an einem Sonnabend nutzen zu dürfen und für die wunderbare Frühstückspausenversorgung mit liebevoll angerichteten Obsttellern. In die Danksagungen eingeschlossen sind selbstverständlich auch Frau Wagner für die Begleitung, die Eltern der Teilnehmenden dafür, dass sie ihre Kinder an einem Samstag entbehren konnten und den Fahrdienst gewährleisteten und Frau Pahlow für die Organisation und die samstägliche Mittagsverpflegung. 

Fazit: Wenn Schüler:innen freiwillig freitags länger arbeiten und auch samstags noch in die Schule gehen – eine Schülerin hatte sogar an diesem Tag Geburtstag – dann ist die Theaterarbeit auf einem richtigen Weg, wie auch bis vor einigen Jahren am Gymnasium Jessen mit den Theatergruppen von Frau Cosima Schmidt: Danke für das langjährige wertvolle Theaterengagement am Gymnasium! Zwei Tage voller Bewegung, Stimme, Fantasie und Mut – und ein Workshop, der Lust auf mehr macht. Bühne frei für die nächsten Proben!